Diversity braucht moralische Flexibilität? Nein, ganz im Gegenteil.

Das Treffen mit Anderen lässt uns manchmal die verrücktesten Ideen entwickeln. In einem Anflug aus Empathie und engagierten Spiegelneuronen kommen wir unter Umständen auf die Idee wir sollten uns am besten den „anderen“ anpassen. Wenn wir die selbe Wertebasis, die selbe Religion, die selbe politische Meinung, die selbe Mode, den selben Sprachhabitus haben, dann müsste das doch immer besser funktionieren. Oder?

Möglicherweise. Es gibt aber einen anderen Faktor, der deutlich wichtiger und deutlich hilfreicher ist, und zwar die Konstanz. Im Austausch mit dem Unbekannten fangen Menschen an, Muster, Regeln und Ordnungen zu suchen, um sich daran zu orientieren. Viel schwieriger als mit jemand „anderen“ auszukommen ist mit jemanden zu schwingen, der „täglich neu“ ist. Das Zauberwort ist weniger Gleichheit als vielmehr Beständigkeit und Zuverlässigkeit. Ich kann mich auf dich einlassen, auch wenn du in einigen Fragen anders tickst als ich. Aber es wird kompliziert, wenn ich jeden Tag bei Null anfangen muss, weil du ein moralisches Chamäleon bist.

Anders herum wird übrigens auch ein Schuh draus: Entspannter im Umgang mit Wiedersprüchen und Unterschieden ist nicht diejenige, die sich jedes Mal neu am Anderen ausrichtet, sondern diejenige die ihre eigene Basis kennt und von dort aus gelassen und souverän dem begegnen kann, was da kommen mag. Die Konfrontation mit „anderem“ ist weitaus weniger bedrohlich, wenn ich zentrale Fragen für mich beantwortet habe. Für den entspannten Umgang mit Diversity ist also die eigene Positionierung im Raum eine Erleichterung, anstatt ein Hindernis. Eine Voraussetzung gibt es dafür allerdings und zwar die Verinnerlichung folgender Lektion: Weil Wahrheit ein subjektives Konzept ist, kann Unterschiedliches und sogar Widersprüchliches GLEICHZEITIG wahr sein.

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